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DIN EN IEC 62676-4:2026-10: Sieben Qualitätsstufen von Überblicken bis Begutachten

3 Min. Lesezeitcctvfinder

Seit dem 18. September 2026 gilt die DIN EN IEC 62676-4:2026-10. Sie ersetzt die sechs Qualitätsstufen der Ausgabe 2016-07 durch sieben Pixeldichten von 20 bis 1.500 Px/m und begrenzt den Neigungswinkel der Kamera auf 13°. Der cctvfinder rechnet ab sofort nach dieser Fassung. Hier steht, was sich geändert hat und was es für deine Planung bedeutet.

Was sich geändert hat

Die Ausgabe 2016-07 arbeitete mit sechs Qualitätsstufen. Die neue Ausgabe kennt sieben, beschrieben als Pixeldichten in Pixeln pro Meter: 20, 40, 80, 125, 250, 500 und 1.500 Px/m. Jede Stufe hat einen deutschen und einen englischen Namen und ein typisches Anwendungsbeispiel.

QualitätsstufeEnglischPixeldichteGruppeTypisches Anwendungsbeispiel
ÜberblickenOverview≥ 20 Px/mLPDOErkennen, ob sich in einem Bereich Objekte oder Personen bewegen; allgemeine Übersicht eines Geländes
UmreißenOutline≥ 40 Px/mLPDOUmriss eines Objekts erkennen und Bewegungsrichtung bestimmen, z. B. Personen oder Fahrzeuge auf einem Zufahrtsweg
VerfolgenDiscern≥ 80 Px/mLPDOObjekte und deren Bewegungen erkennen sowie Personen, Fahrzeuge oder Tiere unterscheiden
WahrnehmenPerceive≥ 125 Px/mHPDOPersonen und Bewegungen detaillierter wahrnehmen, ohne beispielsweise Geschlecht oder charakteristische Merkmale sicher unterscheiden zu können
FeststellenCharacterise≥ 250 Px/mHPDOPersonentyp, Gangart und Verhalten beurteilen bzw. Fahrzeugtyp und -kategorie feststellen
ErmessenValidate≥ 500 Px/mHPDOBekannte Personen verifizieren, Handlungen nachvollziehen oder ein Fahrzeugkennzeichen erfassen
BegutachtenScrutinise≥ 1.500 Px/mHPDOIdentität einer Person mit hoher Sicherheit beurteilen, Fahrzeugmodell bzw. Baujahr erkennen oder Kennzeichen lesen

Die Namen der sieben Stufen ergeben im Englischen das Kürzel OODPCVS. Alte Bezeichnungen wie „Erkennen“ und „Identifizieren“ gibt es in dieser Form nicht mehr.

LPDO und HPDO: zwei Gruppen mit unterschiedlichem Zweck

Die sieben Stufen sind in zwei Gruppen geteilt. LPDO steht für Low Pixel Density Objects und umfasst Überblicken (20), Umreißen (40) und Verfolgen (80 Px/m). Sie passen zu großflächiger und perimetrischer Überwachung, bei der es um Bewegung, Richtung und Art eines Objekts geht, nicht um Details.

HPDO steht für High Pixel Density Objects und umfasst Wahrnehmen (125), Feststellen (250), Ermessen (500) und Begutachten (1.500 Px/m). Hier braucht das Bild deutlich mehr Details, etwa um Personen oder Fahrzeuge genauer zu beurteilen.

Bis 80 Px/m siehst du, dass etwas da ist und wohin es sich bewegt. Ab 125 Px/m beginnt die Beurteilung von Details.

Die Bedeutung der Schwellen hat sich verschoben

Wer die alte Ausgabe im Kopf hat, sollte die Tabelle nicht nach Gedächtnis lesen. Bei 250 Px/m steht jetzt „Feststellen“: Personentyp, Gangart und Verhalten beurteilen. Die Identität einer Person mit hoher Sicherheit zu beurteilen, beginnt erst bei 1.500 Px/m („Begutachten“). Bekannte Personen verifizieren oder ein Kennzeichen erfassen gehört zu 500 Px/m („Ermessen“).

Für laufende Projekte heißt das: Ein Pflichtenheft, das 250 Px/m für die Identifizierung verlangt, sollte gegen die neue Fassung geprüft werden. Welche Ausgabe für ein Projekt maßgeblich ist, regeln Vertrag und Auftraggeber. Dazu gibt dieser Beitrag keine Rechtsauskunft.

Wie sich die Pixeldichte aus Auflösung, Brennweite und Entfernung ergibt, steht im Beitrag zur Erklärung der Normstufen.

Neigungswinkel höchstens 13°

Die neue Ausgabe gibt vor, dass der Neigungswinkel der Überwachungskamera 13° nicht übersteigen darf. In der Ausgabe 2016-07 lag die Grenze bei 22,5°. Eine Kamera, die steil von oben auf einen nahen Punkt blickt, überschreitet 13° schnell, besonders bei hoher Montage und kurzer Distanz.

Ob der Winkel eingehalten ist, lässt sich vor der Montage ausrechnen. Es kommt auf Montagehöhe, Höhe des Ziels und Entfernung an.

So bildet der cctvfinder die neue Norm ab

  • Unter „Ziel der Überwachung“ stehen die sieben Stufen untereinander, von Überblicken (20 Px/m) bis Begutachten (1.500 Px/m).
  • Die drei LPDO-Stufen sind in einem zarten, ansteigenden Orange eingefärbt, die vier HPDO-Stufen in einem zarten, ansteigenden Grün. Zusätzlich sind die Gruppen beschriftet, die Farbe ist also nie der einzige Hinweis.
  • Übersteigt der Neigungswinkel 13°, erscheint ein Warnhinweis. Das Ergebnis der Pixeldichte bleibt davon unberührt, du siehst beides getrennt.
  • Die Kameraauswahl bewertet jedes Modell gegen die gewählte Stufe, auch gegen die neuen Werte bis 1.500 Px/m.

Probiere es mit deiner eigenen Szene aus: Stufe wählen, Kamera platzieren, Ergebnis ablesen.

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