Grundlagen

DIN EN 62676-4 erklärt: Was die Norm für deine Kameraplanung bedeutet

3 Min. Lesezeitcctvfinder

Der Anruf kommt meistens montags. Am Wochenende ist etwas passiert, die Aufnahme liegt vor, und darauf ist eine Gestalt zu sehen. Mehr nicht. Keine Jacke, kein Gesicht, nichts, womit die Polizei etwas anfangen kann. Die Kamera hat funktioniert, sie hat aufgezeichnet, und trotzdem ist die Aufnahme wertlos. Genau diesen Fall soll die DIN EN 62676-4 verhindern. Sie übersetzt das, was eine Anlage leisten soll, in eine Zahl, die man vorher nachrechnen kann.

Die Norm beantwortet eine einzige Frage

Niemand baut eine Anlage, um Bilder zu bekommen. Man baut sie, weil man etwas Bestimmtes wissen will: ob jemand über den Hof gelaufen ist, ob das der eigene Mitarbeiter war, welches Kennzeichen der Transporter hatte. Das sind drei sehr verschiedene Fragen, und sie sind unterschiedlich schwer zu beantworten. Die Norm macht diesen Unterschied messbar.

Ihr Werkzeug dafür ist die Pixeldichte: wie viele Bildpunkte fallen auf einen Meter am Ort des Geschehens? Die Einheit ist Pixel pro Meter, kurz Px/m. Sie ist die einzige Grösse, die Auflösung, Objektiv und Entfernung zu einer Aussage zusammenfasst.

Nicht die Kamera hat eine Qualitätsstufe, sondern die Stelle, auf die sie schaut. Dieselbe Kamera erreicht auf fünf Metern „Identifizieren" und auf vierzig „Detektieren".

Die Stufen und was sie verlangen

Die Norm kennt sechs Stufen. Jede verdoppelt ungefähr die Anforderung der darunterliegenden. Der Sprung von Erkennen auf Identifizieren ist derselbe Faktor zwei wie der von Beobachten auf Erkennen.

StufePixeldichteWofür sie steht
Inspizieren1000 Px/mKleinste Merkmale ablesen: Schriftzüge, Seriennummern, Sicherheitsmerkmale.
Identifizieren250 Px/mEine Person zweifelsfrei zuordnen. Die Stufe für Beweiszwecke.
Erkennen125 Px/mEine bekannte Person im Bild wiedererkennen.
Beobachten62,5 Px/mKleidung, Haltung und Handlung einer Person verfolgen.
Detektieren25 Px/mZuverlässig feststellen, dass eine Person im Bild ist.
Überwachen12,5 Px/mBewegung und Anzahl von Personen im Überblick behalten.

In der Praxis sind zwei Stufen entscheidend. „Erkennen" mit 125 Px/m ist das, was man an Zugängen, Kassen und Eingängen braucht. „Identifizieren" mit 250 Px/m ist die Stufe, die vor Gericht Bestand hat. Sie kostet die vierfache Pixelmenge auf derselben Fläche.

Warum die Schrägdistanz zählt, nicht der Lageplan

Ein häufiger Fehler in der Planung: gerechnet wird mit der Entfernung aus dem Grundriss. Eine Kamera hängt aber selten auf Augenhöhe. Sitzt sie auf sechs Metern und blickt auf einen Punkt zehn Meter entfernt, beträgt die tatsächliche Sichtlinie rund elf Meter. Entsprechend fällt die Pixeldichte.

Der Effekt wächst mit der Montagehöhe. Wer hoch montiert, um mehr Fläche zu sehen, bezahlt das mit Pixeldichte am Ziel. Beides gegeneinander abzuwägen ist die eigentliche Planungsarbeit.

Höher montieren vergrössert das Bild und verkleinert das Detail. Beides zugleich geht nicht.

Warum die Stufe allein noch nicht reicht

Die Norm empfiehlt zusätzlich, den senkrechten Betrachtungswinkel zu begrenzen. Der Grund ist anschaulich: Wer von steil oben auf einen Menschen blickt, sieht vor allem Schädeldecke und Schultern. Die Pixel sind da, das Gesicht ist es nicht.

  • Bis einschliesslich „Erkennen": höchstens rund 30° Neigung.
  • Ab „Identifizieren": deutlich flacher, rund 15°.
  • Beides sind Empfehlungen und keine Grenzwerte. Wer sie reisst, sollte allerdings begründen können, warum.

Was das für eine Ausschreibung bedeutet

Eine belastbare Anforderung nennt drei Dinge: den Ort, die Aufgabe und die Stufe. „Am Tor Erkennen, 125 Px/m, auf 18 Metern" ist prüfbar. „Hochauflösende Kamera für die Zufahrt" ist es nicht. Acht Megapixel an einem Weitwinkelobjektiv liefern auf 18 Metern weniger als zwei Megapixel an einem Teleobjektiv.

Genau diese Rechnung nimmt dir der cctvfinder ab: Entfernung, Montagehöhe und gewünschte Stufe eingeben, und die Pixeldichte steht da. Samt dem Bild, das die Kamera an dieser Stelle liefert.

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