Technik
Brennweite oder Sichtfeld: Warum das Datenblatt die bessere Quelle ist
2 Min. Lesezeitcctvfinder
Es gibt eine Formel, mit der man aus Sensorbreite und Brennweite den Bildwinkel ausrechnet. Sie steht in jedem Optiklehrbuch, sie ist richtig, und sie stimmt für eine ideale Linse. Objektive von CCTV Kameras sind aber keine idealen Linsen. Wie weit das auseinandergeht, zeigt ein Blick in ein echtes Datenblatt.
Die Formel und ihre Voraussetzung
Auf dem Papier ist die Sache einfach. Der horizontale Bildwinkel einer idealen Linse ergibt sich aus zwei Angaben: der Breite der aktiven Sensorfläche und der Brennweite.
- Sichtfeld = 2 × arctan(Sensorbreite ÷ (2 × Brennweite))
Die Voraussetzung steht im Kleingedruckten: die Linse muss verzeichnungsfrei sein. Überwachungsobjektive sind das nicht, und zwar mit Absicht. Ein Weitwinkel, das mehr Fläche erfasst, als die Formel erlaubt, verkauft sich besser.
Was ein echtes Datenblatt sagt
Ein Varioobjektiv einer verbreiteten Domekamera nennt zwei Betriebspunkte: 111° bei 4,4 mm Brennweite und 47° bei 9,3 mm. Rechnet man aus diesen Paaren rückwärts die Sensorbreite aus, die die Formel voraussetzt, kommt zweimal etwas anderes heraus.
| Angabe im Datenblatt | daraus errechnete Sensorbreite |
|---|---|
| 111° bei 4,4 mm | 12,80 mm |
| 47° bei 9,3 mm | 8,09 mm |
Dieselbe Optik auf demselben Sensor müsste also zwei verschiedene Sensoren haben. Zwischen beiden Werten liegt ein Faktor von 1,58. Das ist kein Rechenfehler, das ist die Verzeichnung: Hersteller geben das gemessene Sichtfeld an und nicht das aus der Näherung errechnete.
Eine aus dem Winkel zurückgerechnete Brennweite ist keine Angabe, sie ist eine Behauptung. Bei 47° an 1/2,8″ kommen 6,21 mm heraus. Das Datenblatt nennt 9,3 mm.
Die praktische Folge
Für die Pixeldichte zählt ohnehin allein der Winkel. Wer plant, sollte deshalb das Sichtfeld aus dem Datenblatt nehmen und die Brennweite nur dort verwenden, wo sie auch aus dem Datenblatt stammt. Beim Bestellen nämlich, denn danach wird ein Objektiv ausgewählt.
Genau so rechnet der cctvfinder: eingetragen wird das horizontale Sichtfeld, und die Brennweite steht daneben, wenn das gewählte Modell eine im Datenblatt führt. Zurückgerechnet wird nichts.
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