Technik

Nachtsicht und IR-Reichweite: Was die Zahl im Datenblatt wirklich sagt

2 Min. Lesezeitcctvfinder

Die Pixeldichte ändert sich nachts nicht. Die Entfernung bleibt dieselbe, das Objektiv auch, und die Norm senkt ihre Anforderung nicht, wenn die Sonne weg ist. Was sich ändert, ist die Menge an Licht, die auf den Sensor fällt. Und die fällt schneller, als die meisten erwarten.

Die Reichweitenangabe misst etwas anderes

Wenn im Datenblatt „IR-Reichweite 50 m" steht, dann heisst das: bis in diese Entfernung wirft die Kamera noch messbares Infrarotlicht. Es heisst nicht, dass dort ein Gesicht zu erkennen ist. Gemessen wird gegen eine Fläche mit hohem Rückstrahlvermögen, nicht gegen eine Person in dunkler Arbeitskleidung.

Beides klafft auseinander, weil Kleidung sehr unterschiedlich zurückwirft. Eine helle Jacke liefert ein brauchbares Bild, eine dunkle schluckt das Licht. Die Zahl im Datenblatt ist eine Obergrenze unter günstigsten Bedingungen, kein Versprechen für den Regelfall.

IR-Reichweite sagt, wie weit das Licht kommt. Sie sagt nichts darüber, was auf diese Entfernung noch erkennbar ist.

Warum das Licht so schnell wegbricht

Infrarotlicht verhält sich wie jede andere Beleuchtung: seine Stärke nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Doppelte Entfernung bedeutet ein Viertel der Beleuchtungsstärke, nicht die Hälfte.

EntfernungBeleuchtungsstärke am Ziel
10 m100 %
20 m25 %
30 m11 %
40 m6 %

Die Werte sind auf 10 Meter bezogen. Bei 40 Metern kommt noch ein Sechzehntel der Beleuchtung an. Deshalb wird ein Nachtbild nicht allmählich schlechter, sondern über wenige Meter hinweg unbrauchbar.

Das Objektiv entscheidet mit

Die Infrarotdioden sitzen im Kameragehäuse und leuchten einen festen Kegel aus. Ein weites Objektiv sieht über diesen Kegel hinaus: die Bildränder bleiben dunkel, obwohl die Mitte hell ist. Ein enges Objektiv sieht nur den ausgeleuchteten Teil, und dort ist das Licht auf weniger Fläche verteilt.

Das trifft sich mit der Rechnung am Tag. Ein enger Bildwinkel bringt mehr Pixel auf den Meter und gleichzeitig mehr Licht auf die Fläche. Wer die Optik für die Tagaufgabe eng wählt, gewinnt nachts ein zweites Mal.

Was nachts von der Auflösung übrig bleibt

Ein Sensor, der zu wenig Licht bekommt, hat zwei Auswege, und beide kosten Bildqualität. Er verstärkt das Signal, dann rauscht das Bild und feine Strukturen verschwinden im Korn. Oder er belichtet länger, dann zieht alles, was sich bewegt, eine Spur.

Die gerechnete Pixeldichte bleibt davon unberührt. Die Pixel sind da, sie tragen nur weniger Information. Ein Aufbau, der tagsüber genau die geforderten 125 Pixel je Meter erreicht, hat nachts keine Reserve mehr.

Plane die Tagaufgabe mit Abstand zur Grenze. Was tagsüber knapp reicht, reicht nachts nicht.

Wie du es prüfst

Stell die Stelle im cctvfinder ein und schau dir zuerst den Tagwert an. Liegt er nur knapp über der geforderten Stufe, ist der Aufbau für die Nacht zu eng gerechnet. Ein Objektiv mit engerem Bildwinkel oder eine Kamera näher am Ziel bringt beide Werte gleichzeitig nach oben.

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