Praxis
Wie weit sieht eine Überwachungskamera wirklich?
3 Min. Lesezeitcctvfinder
Du stehst am Tor und schaust zur Kamera an der Hallenwand. Dreissig Meter, grob geschätzt. Die Frage, die dir durch den Kopf geht, ist immer dieselbe: Würde man da drauf ein Gesicht erkennen? Der Verkäufer sagte damals „bis 50 Meter“. Was er nicht dazugesagt hat: bis 50 Meter wofür.
Warum „Reichweite“ in Metern nichts bedeutet
Jede Kamera sieht unendlich weit. Ein Berg am Horizont ist im Bild, ein Flugzeug auch. Die Frage ist nie, ob etwas im Bild ist, sondern wie viele Bildpunkte davon übrig bleiben.
Deshalb gibt es die Reichweite einer Kamera nicht als eine Zahl. Es gibt sie nur zusammen mit einer Aufgabe. Bis zwanzig Meter kannst du vielleicht sehen, dass jemand über den Hof läuft. Ob es der eigene Mitarbeiter war, siehst du schon auf zwölf nicht mehr. Und ob du ihn vor Gericht zuordnen könntest, entscheidet sich vielleicht bei sechs.
Drei verschiedene Aufgaben, drei verschiedene Reichweiten, eine einzige Kamera.
Die DIN EN 62676-4 macht genau das messbar. Sie übersetzt jede Aufgabe in eine Pixeldichte, gemessen in Pixeln pro Meter am Ort des Geschehens. Erkennen verlangt 125 Px/m, Identifizieren 250 Px/m. Sobald du die Aufgabe kennst, wird aus der Reichweite eine Rechnung.
Die Reichweite in Metern, nach Aufgabe getrennt
Die Tabelle zeigt, bis zu welcher Entfernung eine Kamera die jeweilige Stufe noch schafft. Gerechnet mit 3 Metern Montagehöhe und auf Kopfhöhe eines stehenden Menschen. Der Bildwinkel steht links, weil er den grössten Unterschied macht.
| Objektiv und Auflösung | Erkennen (125 Px/m) | Identifizieren (250 Px/m) |
|---|---|---|
| 90° Weitwinkel, Full HD | 7,6 m | 3,6 m |
| 90° Weitwinkel, 4K | 15,3 m | 7,6 m |
| 60° Standard, Full HD | 13,2 m | 6,5 m |
| 60° Standard, 4K | 26,6 m | 13,2 m |
| 30° Tele, Full HD | 28,6 m | 14,3 m |
| 30° Tele, 4K | 57,3 m | 28,6 m |
Lies die Tabelle einmal quer, dann siehst du das Wesentliche. Eine 4K-Kamera mit Weitwinkel kommt auf 15 Meter. Dieselbe Auflösung mit Teleobjektiv kommt auf 57. Die Kamera ist in beiden Zeilen dieselbe. Was sich ändert, ist die Fläche, auf die sie ihre Pixel verteilt.
Wer die Reichweite verdoppeln will, halbiert den Bildwinkel. Das kostet nichts extra und wirkt sofort.
Was die Zahlen in der Praxis verschiebt
Drei Dinge kommen dazu, und alle drei arbeiten gegen dich.
- Die Montagehöhe. Die Kamera schaut schräg nach unten, und die tatsächliche Sichtlinie ist länger als der Weg auf dem Lageplan. Bei sechs Metern Höhe und zehn Metern Abstand sind es rund elf Meter Sichtlinie.
- Der Blickwinkel. Wer von steil oben auf einen Menschen schaut, sieht Schädeldecke und Schultern. Die Pixel sind da, das Gesicht ist es nicht.
- Das Licht. Pixel, die im Rauschen einer dunklen Szene verschwinden, sind keine Pixel. Die Tabelle oben gilt für Tageslicht.
Deshalb ist die ehrliche Antwort auf „wie weit sieht die Kamera“ immer eine Rückfrage: Was willst du dort sehen, wie hoch hängt sie, und wie hell ist es?
So rechnest du es für deine Stelle nach
Du brauchst drei Angaben, und zwei davon misst du mit dem Zollstock: die Entfernung zu der Stelle, die dich interessiert, und die geplante Montagehöhe. Die dritte ist die Frage, was du dort erkennen willst.
Der cctvfinder rechnet daraus die Pixeldichte und zeigt dir in 3D das Bild, das an dieser Stelle ankommt. Wird ein Gesicht dabei zu Brei, wird es das später auf der Aufnahme auch.
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