Praxis

Optischer vs. digitaler Zoom: Warum digitaler Zoom die Pixeldichte zerstört

2 Min. Lesezeitcctvfinder

Im Prospekt klingen beide Begriffe verlockend: 4-facher Zoom holt entfernte Details nah heran. Doch in der Praxis der Videoüberwachung bedeuten optischer und digitaler Zoom zwei völlig gegensätzliche Welten. Während der eine die Pixeldichte am Ziel vervierfacht und verwertbare Beweise sichert, zerschneidet der andere das Bild in grobe Pixelblöcke. Wer den Unterschied nicht kennt, plant am Schutzziel nach DIN EN 62676-4 vorbei.

Zwei verschiedene Vorgänge unter demselben Namen

Der Begriff Zoom stammt aus der Fotografie, wird im Marketing aber für zwei technisch unvereinbare Verfahren verwendet:

  • Optischer Zoom: Die Linsengruppe im Objektiv wird mechanisch verschoben. Die Brennweite verlängert sich, der horizontale Bildwinkel verkleinert sich. Die gesamte Sensorauflösung konzentriert sich auf einen schmaleren Weltausschnitt.
  • Digitaler Zoom: Das Objektiv bleibt starr. Eine Software (in der Kamera, im Rekorder oder im VMS) schneidet lediglich einen Teilbereich des vorhandenen Digitalbildes heraus und skaliert ihn rechnerisch hoch. Es entsteht kein einziges neues Bilddetail.

Optischer Zoom bringt mehr Pixel auf das Ziel. Digitaler Zoom macht bestehende Pixel lediglich größer.

Die Auswirkung auf die Pixeldichte nach DIN EN 62676-4

Die Norm DIN EN 62676-4 verlangt für das Erkennen einer Person 125 Pixel pro Meter und für die gerichtsfeste Identifizierung 250 Pixel pro Meter. Rechnen wir das an einer 4K-Kamera (3840 Pixel horizontal) in 20 Metern Entfernung durch:

EinstellungBlickwinkel / Bildbreite auf 20 mPixeldichte am ZielErreichte Qualitätsstufe
Ausgangsbild (Weitwinkel 100°)ca. 47,7 m Bildbreiteca. 80 Px/mBeobachten (Handlung erkennbar)
4× Digitalzoom (Ausschnitt)ca. 11,9 m Ausschnitteffektiv 80 Px/mBeobachten (verpixelt hochskaliert)
4× optischer Zoom (Tele 25°)ca. 8,9 m Bildbreiteca. 431 Px/mIdentifizieren (gerichtsfest)

Beim digitalen Vergrößern ändert sich an den ursprünglichen 80 Pixeln pro Meter nichts: Ein Gesicht auf 20 Metern besteht nach wie vor aus nur rund 12 bis 15 horizontalen Pixeln. Wer digital hineinzoomt, sieht nur größere Pixelquadrate, aber keine Gesichtszüge.

Festbrennweite, Motor-Vario oder PTZ-Kamera?

Für die Planung von Überwachungsanlagen stehen Errichtern drei Objektivbauarten zur Verfügung:

  • Festbrennweite (z. B. 2,8 mm oder 4 mm): Preiswert und lichtstark, aber starr. Die Pixeldichte steht mit der Montageposition unveränderlich fest.
  • Motorisiertes Vario-Objektiv (z. B. 2,8–12 mm): Bei der Inbetriebnahme per Mausklick exakt auf das Ziel einstellbar (optischer Zoom), danach bleibt der Bildausschnitt fixiert. Ideal für 90 % aller Überwachungsaufgaben.
  • PTZ-Dome (Schwenk-Neige-Zoom mit 25× bis 40× optischem Zoom): Kann ferngesteuert Details über hunderte Meter heranholen. Nachteil: Schaut die PTZ-Kamera nach links, entgeht ihr das Geschehen auf der rechten Seite.

In der modernen Sicherheitsplanung gilt deshalb der Grundsatz: Feste Schutzziele mit motorisierten Vario-Kameras dauerhaft abdecken, statt auf manuelles Nachzoomen zu hoffen.

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