Praxis
Kennzeichen erkennen: was die Kamera dafür können muss
3 Min. Lesezeitcctvfinder
Der Transporter ist weg, die Aufzeichnung liegt vor, und auf dem Kennzeichen ist ein grauer Schmierstreifen. Man sieht, dass da ein Schild war. Man sieht sogar, dass es weiss ist. Sechs Zeichen darauf sind es aber nicht mehr, und ohne die kann die Polizei nichts tun. Dabei war die Kamera 4K und stand nur zwanzig Meter weg.
Ein Kennzeichen ist eine andere Aufgabe als ein Gesicht
Ein Gesicht erkennst du an groben Merkmalen: Umriss, Haaransatz, Abstand der Augen, Form des Kinns. Dafür genügen 125 Px/m, und für die zweifelsfreie Zuordnung 250 Px/m.
Ein Kennzeichen dagegen besteht aus Schriftzeichen von etwa sieben Zentimetern Höhe, und die musst du einzeln unterscheiden können. Eine 8 von einer B, eine 0 von einer O. Dafür brauchst du Zeichen, die im Bild noch mehrere Bildpunkte breit sind, und das führt schnell in Bereiche jenseits von 500 Px/m.
Ein Gesicht darfst du erahnen. Ein Kennzeichen musst du lesen. Das ist der ganze Unterschied.
Die Norm führt für solche Aufgaben die Stufe „Inspizieren“ mit 1000 Px/m. Sie ist für feinste Merkmale gedacht, Seriennummern und Sicherheitsmerkmale. In der Praxis der Zufahrtsüberwachung landet man je nach Bedingungen zwischen diesen beiden Welten.
Was dafür nötig ist, in Zahlen
Die Tabelle zeigt Aufstellungen, die für Kennzeichen in Frage kommen. Alle mit 3 Metern Montagehöhe.
| Aufstellung | Erfasste Breite | Pixeldichte |
|---|---|---|
| 10 m, 30° Tele, Full HD | 5,4 m | 355 Px/m |
| 15 m, 30° Tele, Full HD | 8,1 m | 238 Px/m |
| 10 m, 30° Tele, 4K | 5,4 m | 710 Px/m |
| 20 m, 20° Tele, 4K | 7,1 m | 543 Px/m |
| 25 m, 15° Tele, 4K | 6,6 m | 582 Px/m |
Schau auf die mittlere Spalte. Jede dieser Aufstellungen sieht zwischen fünf und acht Metern Breite. Das ist eine Fahrspur, mehr nicht. Genau das ist der Preis für die Pixeldichte, und genau deshalb scheitert die Kamera, die gleichzeitig den ganzen Hof zeigen soll.
Drei Dinge, die in der Praxis entscheiden
- Eine eigene Kamera für die Aufgabe. Der Hof braucht Weitwinkel, das Kennzeichen braucht Tele. Eine Kamera für beides liefert für beides zu wenig.
- Flach auf die Spur schauen. Ein Kennzeichen von steil oben ist perspektivisch gestaucht, und aus dem Rechteck wird ein flaches Trapez. Die Kamera gehört möglichst weit weg und möglichst tief.
- Die Fahrtrichtung mitdenken. Ein Fahrzeug, das quer durchs Bild fährt, zieht das Kennzeichen bei jeder Belichtungszeit in die Länge. Frontal oder von hinten aufgenommen steht es still.
Dazu kommt das Licht. Kennzeichen sind rückstrahlend, und genau das hilft dir nachts: Eine Kamera mit passender Infrarotbeleuchtung bekommt ein helles Schild vor dunklem Hintergrund. Tagsüber gegen die tiefstehende Sonne ist es umgekehrt schwierig.
Der praktische Weg zur Aufstellung
Fang bei der Fahrspur an, nicht bei der Kamera. Miss, wie breit der Bereich ist, den du sicher erfassen musst. Bei einer einzelnen Zufahrt sind das oft nur drei bis vier Meter.
Trag diese Breite zusammen mit der Entfernung in den cctvfinder ein. Er sagt dir, welcher Bildwinkel diese Breite gerade noch abdeckt, und welche Pixeldichte dabei herauskommt. Von dort aus siehst du sofort, ob Full HD reicht oder ob es 4K sein muss.
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